BZ: Friedrich Dürrenmatts langer Schatten
 
«Was einmal gedacht wurde, kann nicht zurückgenommen werden», schrieb Friedrich Dürrenmatt. Das Derby liefert den Beweis.
 
Die Berner Prominenz kannte nur ein Ziel: die Champions Lounge im Wankdorf. Normalerweise bietet sie Platz für tausend Personen. Zwölfhundert waren es beim Derby zwischen den Mutzen und den Tigern. «Das ist die absolute Kapazitätsgrenze», sagte Stade-de-Suisse-CEO Stefan Niedermaier.
 
Schmid: «Es war Grunder»
 
Klar, interessierte der Match, viel diskutiert wurde aber auch die Frage, wer die Idee des Hockeyderbys im Fussballtempel hatte.
 
Antwort eins stammt von Bundesrat Samuel Schmid: «Hans Grunder wars. Ich gratuliere ihm zur tollen Idee.» In der Tat ist Grunder einer der geistigen Väter dieses Spiels. Aber nur einer. Er teilt die Lorbeeren. «Wir waren auf der Suche nach Geld», so der SVP-Lokalfürst und Tiger-Vewaltungsratspräsident. Zusammen mit Kollegen sei die Idee eines Freundschaftsspiels zwischen Langnauern und Bernern geboren. Eine Studie habe ergeben, dass das auch finanziell ein Erfolg werden müsste.
 
Amman: «Es war Jauch»
 
Antwort zwei kommt von Stade-de-Suisse-Eventmanager Ralph Amman: «Peter Jauch und ich haben uns vor der Eröffnung überlegt, was in einem multifunktionalen Stadion möglich ist.» Dabei sei man auf die Idee gestossen. «Jauch wollte den SCB ärgern», so Amman, «wir haben die Sache dann aber auf Eis gelegt.» Die Resonanz seitens des SCB sei nämlich nicht die Beste gewesen. Den Grund erklärt der Leiter Kommerz der Mutzen, Rolf Bachmann: «Das hätte sich für uns nicht gerechnet.» 13000 Saisonkarteninhaber des SCB wären gratis ins Stadion gekommen. Bei den Langnauern mit bloss 2500 Saisonkarten gehe die Rechnung dagegen auf. «Wir gönnen ihnen den Erfolg», so Bachmann.
 
Marazzi: «Baue das Dach»
 
Das Prinzip stammt von Friedrich Dürrenmatt. Im Stück «Die Physiker» sagt Möbius: «Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.» Hans Grunder hats erlebt: «Ich bin mit meiner Anfrage überall auf offene Türen gestossen.»
 
So sah man denn nur zufriedene Gesichter: Stadtpräsident Alexander Tschäppät freute sich, «weil so etwas nur in Bern möglich ist». Langnaus Hans Grunder freute sich über die Zuschauermassen, welche den Tigern einen schönen Batzen in die Kasse spülten. Und sogar die SCB-Verantwortlichen waren mit der Reaktion der Mannschaft auf die 1:6-Niederlage gegen den HC Davos zufrieden.
 
Selbst Stade-de-Suisse-Erbauer Bruno Marazzi sah sich – frei nach Dürrenmatt – in seinem Traum vom Eishockey-WM-Eröffnungsspiel im Stade de Suisse bestätigt: «Glaubets nur, das mache mer», sagte er. Und zeigte Projektskizzen für ein temporäres Dach auf seinem Fussballtempel herum. Fehlt nur noch die Zusage für Bern als WM-Hauptort.
 
Peter Camenzind
Montag, 15. Januar 2007